Insel Hiddensee – Blaue Scheune, Vitte

erstellt am: 12.02.2018 | von: ingelore helbig | Kategorie(n): Beiträge

 

Fotos aus dem Nachlass von Dorothea Mendel, Tochter von Elisabeth Niemeier (1879 – 1962 ) (Heimatmuseum Hiddensee)

 

Die Malerin Henni Lehmann (1863 – 1937) wird 1907 im neu gebauten Sommerwohnhaus in Vitte (Architekt ist Paul Ehmig, der Schwager von Elisabeth Andrae)  – heute „Henni-Lehmann-Haus“ – ansässig.

Sie kauft die gegenüberliegende alte Scheune der Bäckerei Schwartz und läßt sie als Ausstellungs- und Verkaufsräume für den 1919 gegründeten Hiddensoer Künstlerinnenbund

 

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umbauen. Die Außenwände des Lehmbaues wurden wahrscheinlich mit Kalkfarbe, der zu dieser Zeit üblicherweise Wäscheblau zugefügt wurde um ein strahlendes Weiss zu erhalten, gestrichen.

Nach Norden wurde ein großes Atelierfenster eingebaut.

Zeitzeugen können sich nicht an eine „Blaue Scheune“ wie sie heute zu sehen ist erinnern.

Sie wurde auch als „Kunstscheune“ bezeichnet, in der die Künstlerinnen wie Henni Lehmann, Elisabeth Büchsel, Elisabeth Andrae, Käthe Löwenthal, Katharina Bamberg, Clara Arnheim u.v.m. ausstellten.

Elisabeth Andrae war nachweislich im August 1909 auf der Insel, was im Gästebuch der Familie Gau zu lesen ist.  Der Heimatforscher Kurt Dittmann hat beim Auswerten von Gästebüchern auch einen Besuch  im Jahr 1911 vermerkt. Sie muss sehr oft in den Sommermonaten auf der Insel gemalt haben, da viele ihrer Bilder Motive von der Insel zeigen.

 

 

 

 

 

 

Elisabeth Andrae beim Malen (Fotos: Dr. Schmidt)

 

Elisabeth Andrae wohnte 1912 in der Villa Elise bei Familie Schliecker in Kloster, was durch eine Postkarte von  ihrem Lehrer A.Thamm  1912 ersichtlich wird ( siehe auch Beiträge: -Korrespondenz A.Thamm)

 

1934 kauft Elisabeth Niemeier , die geschiedene Ehefrau vom Kunstmaler Max Nikolaus Niemeier (1876 – 1934), die „Blaue Scheune“ von Henni Lehmann, die als jüdische Malerin und Schriftstellerin Berufsverbot erhalten hat.

Sie betreibt die Kunstscheune  als „Scheunenmutter“ weiter bis sie 1952 von der Insel wegzieht.

Seit 1949 stellt der Maler Günter Fink (1913 Dresden-Blasewitz – 2000 Berlin) bereits in der Scheune aus.

1955 erwirbt Günter Fink das marode Haus von einer Nichte Elisabeth Niemeiers und baut es als Wohnhaus und Atelier um.

2000 stirbt Günter Fink. Seine Frau nutzt die „Blaue Scheune“ noch heute als Wohnhaus und in den Sommermonaten auch zu Ausstellungen mit Bildern von ihrem Mann.

 

Privatfotos 2017/2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellenangaben:

Jana Leistner – Archiv des Heimatmuseums Hiddensee, Kloster

Ruth Negendanck – „Hiddensee – Die besondere Insel für Künstler“ ,
S. 56, 139 und 165,  Günter Fink S.166

Angela Rapp – „ Der Hiddensoer Künstlerinnenbund“ S. 48

Marion Magas – „ Wie sich die Malweiber die Ostseeküste erobern“ S.19

Wikipedia – Blaue Scheune