Winternachmittagssonne: Kirche im Murnauer Moos

erstellt am: 22.11.2018 | von: ingelore helbig | Kategorie(n): Hemmenhofen, Murnau, Liste der Bilder

Öl auf Leinwand, um 1923, 64 x 72 cm

Privatsammlung Genf

Beschreibung der Galerie Barthelmess & Wischnewski, Berlin:

Im Herbst 1923 reiste Elisabeth Andrae nach Mur­nau, um dort Gabriele Münter zu besuchen, die, zurückgekehrt aus dem Exil in Schweden, wieder Anschluss an die künstlerische Avantgarde in Deutschland suchte. Nach Jahren eingeschränkter künstlerischer Produktivität nahm die Münter nun Kontakt zu Kolleginnen auf, auch aus dem Verein Berliner Künstlerinnen, und hoffte auf An­regun­gen zu einem Neubeginn. Es ist anzuneh­men, dass Elisabeth Andrae bei dieser Gelegen­heit nicht nur gemeinsam mit ihrer Bekannten in der Umgebung Murnaus malte, sondern ihr auch äl­tere Arbeiten zeigte. So scheint Gabriele Mün­ters in jenem Jahr entstandene „Studie mit Tele­graphenstange“ in der Tat von Elisabeth Andraes gut zwölf Jahre früher entstandenen Gemälden motivisch beeinflusst worden zu sein. Auf das pittoresk im Murnauer Moos gelegene Ramsach-Kirchlein wurde Elisabeth Andrae jedoch mit Si­cherheit von Gabriele Münter aufmerksam ge­macht, die es selbst wiederholt gemalt hat. Und fast meint man in diesem kraftvollen Gemälde den Ausdruck jener Hoffnung erkennen zu kön­nen, die Elisabeth Andrae ihrer Kollegin mit ih­rem Besuch machen wollte: Mitten im tiefsten Winter, zu einer Zeit, in der alles Leben aus der Natur gewichen zu sein scheint, erstrahlt die Welt in wärmstem Licht und lässt die Hitze des Sommers erahnen.